Keine Testkunden in deutschen Bankhäusern

Jugendliche Testkunden unter 18 Jahren loszuschicken, um Alkohol in Supermärkten und Kiosken zu kaufen, hat sich als eine gute Kontrollmethode für die Einhaltung des Jugendschutzes bewährt. Aber versteckte Kontrollbesuche bei Banken von amtlichen Testkunden, um die Qualität der Beratung zu testen – das geht nicht. Eine Kontrolle, ob Bankberater im Interesse des Kunden arbeiten sei wegen verfassungsrechtlicher Bedenken nicht durchführbar, so das Bundesfinanzministerium.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hat Bedenken geäußert, denn für verdeckte Testkunden gäbe keine ausreichende Gesetzesgrundlage. „Vor allem der Datenschutz, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und die Grundrechte der Bankangestellten könnten gefährdet sein.“

Die Bundesregierung wolle nun die “Wirkweise” des Beraterregisters abwarten, so ein Sprecher des Finanzministeriums. Seit Anfang November müssen alle Bankberater bei der Bankenaufsicht BaFin registriert werden. Zudem werden Beschwerden der Bankkunden gesammelt.
Was in Deutschland nicht geht, ist in Großbritannien längst eingeführt. Die Ergebnisse auf der Insel sind erschreckend. 231 mal erschienen Testkunden bei den sechs führenden Banken. In 11% der Fälle gab der Bankberater ungeeignete Empfehlungen ab, in 15 % der Fälle wurde die gesamtwirtschaftliche Situation des Kunden ungenügend erörtert. Sehr oft wurden die Risiken der Produkte einfach kleingeredet. Bei der Santander Bank waren die Missstände sogar so groß, dass nun eine Geldstrafe droht.

Quelle: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/mystery-shopper-banken-muessen-keine-amtlichen-testkunden-fuerchten/7768100.html
Süddeutsche Zeitung, Montag, 18. Februar 2013

[Montag 01. April 2013, 19:07]