EU: Verkaufs-Provisionen sollen an Anleger weitergereicht werden

Eine EU-Finanzmarktrichtlinie könnte die Anlageberatung in Deutschland revolutionieren, so Der Tagesspiegel in seiner heutigen Ausgabe. Im Kern will Brüssel die Banken dazu zwingen, Provisionen, die sie für den Verkauf von Finanzprodukten bekommen, an ihre Kunden weiterzugeben.

Müssen Banken ihre Provisionen durchreichen, führe dies zu Produkten, die den Anlegern einen Mehrwert bieten, so der CSU-Abgeordnete Markus Ferber. Die Produkte sollen für den Kunden und nicht für den Vertrieb da sein. Dem stimmt der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold zu und prophezeit das Ende der durch Provisionen manipulierten Beratung.

Schon lange beklagen sich Verbraucherzentralen in Deutschland über die Provisionen, die Geldhäuser von Fondsgesellschaften oder Wertpapier-Emittenten bekommen. Interessenkonflikte sind hier vorprogrammiert. So würden Bankberater von ihren Vorgesetzten angehalten, dem Kunden möglichst provisionsträchtige Papiere zu empfehlen, warnt Manfred Westphal, Bankexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen.

Die neue Richtlinie aus Brüssel, die 2013 verabschiedet werden soll, könnte dieses Verkaufsverhalten ändern. Denn muss die Provision an den Kunden weitergegeben werden, entfällt der Anreiz, dem Kunden ungeeignete Produkte zu verkaufen.

Naturgemäß sehen Banken und Sparkassen die neuen Pläne kritisch. So stellt sich die Deutsche Kreditwirtschaft vor die provisionsbasierte Beratung und Honorarberatung, so Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Damit dürften sie mit der deutschen Bundesregierung und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) konform gehen, die die unabhängige Honorarberatung stärken wollen.

Quelle: Der Tagesspiegel, Montag, 24. September, 2012

[Montag 24. September 2012, 21:19]