„Bermuda-Buchungen“? Falschberechnungen bei Banken

Bankkunden sollten genau prüfen, was auf ihren Konten geschieht, warnt der Berliner Kreditsachverständige Ralph Hans Brendel in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Bei sieben von zehn seiner Klienten, so Brendel, werden Abrechnungsfehler festgestellt. Dabei geht es vom Studienkredit bis zum Darlehen für Großbetriebe. Allein im Jahr 2011 mussten Geldinstitute aufgrund seiner Gutachten knapp 13 Millionen Euro zurückerstatten – an Handwerker, Freiberufler, mittelständische Firmen oder ganz normale Privatpersonen. Deutschlandweit geht es um Milliarden.

Geldinstitute prellen viele Kunden um ihr Geld, indem sie etwa „zu viele Zinstage berechnen, die Zinsen bei variablen Krediten nicht mit dem Marktzins senken, Beiträge dem Konto zu spät gutschreiben oder Abbuchungen zu früh belasten.“ Oder durch sogenannte „Bermuda-Buchungen“ – hierbei werde Geld einfach ohne Grund vom Konto abgebucht.

Dahinter steckt ein System, behauptet Olaf Kumpert. Der Buchautor weist auf 170 Gutachten von Kreditsachverständigen hin, die Fehler bei Zinsberechnungen bei Banken nachgewiesen haben. Dabei treten die Falschberechnungen eher bei Banken und Sparkassen auf als bei privaten Instituten, so Kumpert.

Bei Unternehmen können solche fehlerhafte Abrechnungen sogar zu Liquiditätsproblemen führen. Fatal wird es, wenn Gewerbetreibende daraufhin Privatvermögen in die Firma einpumpen, so Brendel. Da stehen manche Klienten dann mit dem Rücken zur Wand.

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken weist Mutmaßungen über Falschberechnungen zurück. Er empfiehlt die Kundenbeschwerden der Ombudsmann-Berichte zu lesen. Hier gäbe es keinen Hinweis auf systematische Abrechnungsfehler. Abrechnungen im Kundengeschäft, so die Stellungnahme des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, würden „bis auf wenige Ausnahmen automatisch erstellt und unterlägen mehrfacher Prüfung.“ Da würden systematische Fehler sofort auffallen.

Bei betroffenen Bankkunden wie einem Interviewpartner der SZ, ein alteingesessenes großes Autohaus in München, stoßen solche Aussagen auf Unverständnis. Bei der Abwicklung seines Autohauses hat der Firmeninhaber keinerlei Unterstützung seitens seiner Banken erhalten. Die sind bei Schwierigkeiten nicht gesprächsbereit, so seine Erfahrung. Er spricht sogar von „Psychoterror“ seinen Mitarbeitern gegenüber. Geldhäuser verspekulieren Milliarden und nehmen kleine Mittelständler aus, so sein Eindruck.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Montag, 13. Mai, 2013

[Dienstag 14. Mai 2013, 23:11]