Auslaufmodell: Das Beratungsgespräch

Seit 2010 muss jeder Beratungsschritt beim Wertpapierkauf protokolliert werden. Auch das sogenannte Produktinformationsblatt muss für jede Aktie auf der Bank vorrätig sein. Das Ziel der strengeren gesetzlichen Regelungen für die Bankberatung ist, dass die Kunden besser beraten werden sollen. Bankkunden, die mit der Beratung unzufrieden sind, können sich demnach bei der Bankenaufsicht BaFin beschweren.

Der gut gemeinte Verbraucherschutz offenbart allerdings Nebenwirkungen: Auf Grund des bürokratischen Aufwands, die Protokolle zu schreiben, wird einfach weniger beraten. Zunehmend bieten Bankberater Produkte an, die die Bank sowieso auf Lager hat oder einfacher sind, wie beispielsweise Sparverträge mit niedrigen Zinsen. Für Bankberater bedeutet das weniger Aufwand und weniger Risiko. Das Wertpapierdepot mit Aktien wird erst gar nicht angesprochen, obwohl dieses unter Umständen mehr Rendite bringen könne, so Christine Bortenlänger, DWP Bank. Vor allem bei Sparkassen hat sich die Zahl der Beratungsgespräche reduziert, stellt Bortenlänger fest.

Fazit: Die Bankberatung ist nicht kundenorientierter geworden. „Während Bankkunden früher Angst haben mussten, dass ihnen der Bankberater ein Schrottzertifikat andreht, weil er dafür eine hohe Provision bekommt, muss man heute auf der Hut sein, dass er nicht aus Faulheit ein Produkt verkauft, für das er möglichst wenig Protokolle ausfüllen muss“, schreibt die FAZ.

Quelle: Christian Siedenbiedel, FAZ, Sonntag, 29. September, 2013

[Montag 30. September 2013, 19:45]