Anlegerschutz: BaFin-Beschwerderegister

Seit November 2012 gibt es das BaFin-Beschwerderegister. Ziel ist es, Bankkunden besser vor Falschberatungen zu schützen. Doch Verbraucherschützer bezweifeln genau das. Die Gewerkschaft Verdi hingegen sieht Bankberater unter einen Generalverdacht gestellt. Die Banken ihrerseits beklagen sich über ein Bürokratiemonster und die Verunsicherung von Bankmitarbeitern.

In dem Beschwerderegister sammelt die BaFin Daten von Anlageberatern und Beschwerden von Kunden. Im Extremfall kann die Finanzaufsicht Sanktionen bis hin zum Berufsverbot verhängen.

Laut Handelsblatt gingen bis Ende des dritten Quartals 2013 dort 9556 Beschwerden von Privatanlegern zu Anlageberatungen ein – berechtigte und unberechtigte. 3010 betrafen Sparkassen, 2145 Genossenschaftsbanken, 4339 Privatbanken und 62 Finanzdienstleistungsinstitute.

Bis Ende September hatten 150 Geldinstitute und 200 Berater anhand von Beschwerden Besuch von Mitarbeitern der BaFin. Dadurch sieht BaFin-Präsidentin Elke König den Verbraucherschutz gestärkt. Warum die Aufsicht gerade diese Finanzdienstleister aufgesucht hat, gibt König nicht Preis.

Diese mangelnde Offenlegung bezeichnet Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg als eine entscheidende Schwachstelle im System. Allenfalls ist das Beschwerderegister – ohne eine Offenlegungspflicht – ein erster Schritt in die richtige Richtung. Zudem ist vorgesehen, dass Kunden Beschwerden an die Bafin über ihre eigene Bank abgeben. Dadurch bleibt den Bankkunden nichts anderes übrig als sich darauf zu verlassen, dass Banken ihre Beschwerden auch tatsächlich mit ihrer Stellungnahme an die BaFin weiterreichen. So wird aber kein Druck auf die Geldhäuser aufgebaut.

Tipps zum gesunden Misstrauen

Im „Schwarzbuch Banken“ von der Verbraucherzentrale NRW befinden sich folgende Ratschläge für Anleger:

Interessen kennen

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.

Gier vermeiden

Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.

Heitere Gelassenheit

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.
Gefährliche Formulierungen

Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.

Schneller Rücktritt

Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.

Ausdauer

Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.

Fürsorge

Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.

Initiative

Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.

Strategie

Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen.

Quelle: „Schwarzbuch Banken“ von der Verbraucherzentrale NRW.
Handelsblatt, Donnerstag 31. Oktober, 2013

[Donnerstag 21. November 2013, 17:08]